Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Mario Metzler und ich habe mein sechswöchiges Kernpraktikum an der Käthe-Kollwitz Gesamtschule in Recklinghausen absolviert. Warum ein Kölner ein Praktikum ausgerechnet an einer Schule in Recklinghausen ableistet, hätte ich vor dem Praktikum nur mit familiären Gegebenheiten begründen können. Retrospektiv betrachtet, hätte mich das Schicksal bezüglich der Schulauswahl nicht besser treffen können!

Als Student, gefangen in der allgegenwärtigen pädagogischen Theorie der Universität, ist man neugierig und aufgeregt das Gelernte praktisch umzusetzen. Mit dem Gedanken gekoppelt, dass man für die Lehrerinnen und Lehrer mit dem Status „Praktikant“ eher lästig als hilfreich ist, startete ich also in mein sechswöchiges Kernpraktikum meines Masterstudiengangs für Sport und Musik. 

 

Schnell wurde ich vom Gegenteil überzeugt. Ja, ich hatte sogar das Gefühl, dass ich mit offenen Armen empfangen wurde. Zunächst stand ich diesem Gefühl noch skeptisch gegenüber, jedoch zu Unrecht. In meinen beiden praktischen Fächern Sport und Musik wurde ich von Beginn an involviert und konnte mich ausprobieren. Um aus Leserfreundlichkeit nicht in etwaigen Ausführungen des Rumgeschleimes zu enden, welche jedoch nicht gelogen wären, möchte ich lediglich eine meiner vielen praktischen Erfahrungen kurz skizzieren. Diese bezieht sich auf meinen Eindruck aus dem Sportunterricht mit einer Lehrperson, die mich besonders geprägt hat, auch nachhaltig. Niemals zuvor, und ja, das ist auch in meinem Alter bereits ein langer Zeitraum, habe ich einen so offenen, hilfsbereiten, lockeren, …(wenn ich jetzt alle passenden Adjektive aufzählen, würde dies zu viel Platz einnehmen…), Lehrer kennen gelernt. In den Stunden, in denen ich bei ihm hospitierte, wurde ich in seine Abläufe integriert. Nach Absprache konnte ich den Unterricht sogar selbst übernehmen und gestalten. Vor und nach den selbst gehaltenen Stunde nahm er sich sehr lange Zeit und reflektierte mein Vorgehen mit mir im Detail. Ab dem Zeitpunkt fühlte ich mich tatsächlich nicht mehr als „Klotz am Bein“. 

Diese war nur eine von vielen produktiven und lehrreichen Momenten aus meinem Praktikum. 

 

Rückblickend auf meine Tätigkeit an der Käthe-Kollwitz-Schule kann ich feststellen, dass mich die Zeit im Hinblick auf meine Berufswahl bestärkt sowie mich im Umgang mit heterogenen Lerngruppe selbstsicherer gemacht hat. Auch für meine gesamte persönliche Entwicklung war diese Zeit sehr wertvoll, da ich viel über mich selbst erfahren und gleichzeitig vielseitige Erfahrungen in diesem Berufsfeld sammeln konnte.

Des Weiteren hätte ich es niemals für möglich gehalten, dass einem die Schülerinnen und Schüler in so kurzer Zeit ans Herz wachsen könnten. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass man als Lehrer nicht nur geben muss, sondern auch ziemlich viel zurück bekommt.  Und genau das, was in den letzten zwei Sätzen zu lesen ist, hatte ich zuvor für den klischeehaftesten Spruch seitens der Lehrerschaft  gehalten.

Ein Kollegium, dass so an einem Strang zieht wie an dieser Schule, habe ich bisher nicht erlebt und vor diesem Praktikum als Wunschdenken abgetan. Kollegiale Fallberatungen, regelmäßige, freiwillige Treffen, um über bestimmte Probleme der Schüler zu sprechen, waren hier selbstverständlich. Meine stetige und bereits vielfach betonte prospektiven Sorge, als Praktikant nur als Ballast von den Lehrkräften wahrgenommen zu werden, verflog auf Anhieb. Der Teamgeist und Austausch mit den Kollegen brachte mir ständig neue Erkenntnisse und Denkansätze. Auch sprachen sie mir Mut zu, beispielsweise dass man am Anfang die Lehrerrolle nicht perfekt erfüllen kann und dass dies auch keiner von einem erwartet. Auch die Sorge vor meinem bevorstehenden Referendariat wurde mir durch eine Vielzahl von Feedbackgesprächen genommen. Solch ein Teamgeist, Verlass und Rückhalt des Kollegiums kann man sich nur wünschen und hat mich nachhaltig gestärkt. 

Mit dem Einfluss dieser Zeit auf mich und meine Persönlichkeit möchte ich den Kurzbericht abschließen. Es fällt mir nach meinem Praktikum deutlich leichter, mich selbst  in der Lehrerrolle zu reflektieren bzw. darüber zu sprechen, wie sehr sich meine Persönlichkeit weiterentwickelt hat. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich ruhiger in die Zukunft blicke in Bezug auf das Lehrerwerden.
Vielen Dank an die Käthe-Kollwitz Gesamtschule für die tolle Zeit. Ich werde diese in sehr guter Erinnerung behalten!

 

Euer Mario Metzler