Interview mit Frau Akkaya

Herr Neckenig: Frau Akkaya, bitte stellen Sie sich doch kurz vor

Frau Akkaya: Mein Name ist Sevim Akkaya, mein Sohn Aykut geht in die Klasse 6.2

Herr Neckenig: Erzählen Sie uns doch bitte einmal, warum Sie für Ihr Kind unsere Schule ausgesucht haben.

Frau Akkaya: Mit der Ausgabe der Zeugnisse im 1. Halbjahr der 4. Klasse kam die Empfehlung, Aykut in einer Hauptschule/Gesamtschule weiterbeschulen zu lassen. Er hatte ein Zeugnis mit dreien und vieren, eine fünf gab es nicht, und ich dachte mir zuerst "Warum nicht auch eine Realschule?". Ich kannte die Gesamtschule gar nicht, nur vom Hörensagen, ich bin auch nicht hier groß geworden, komme aus der Nähe von Aachen. Wenn ich erwähnt habe, dass mein Sohn eine Gesamtschulempfehlung hat, hörte ich viel Negatives ...Gesamtschule ...Käthe-Kollwitz..., er hat ja nicht so ein schlechtes Zeugnis, er könnte auch eine Realschule schaffen. Dann habe ich mir einen Termin mit der Klassenlehrerin geben lassen. Sie meinte dann, dass sie die Gesamtschule für Aykut empfiehlt. Sie hatte die Käthe-Kollwitz-Schule schon mehrfach besucht, und auch Schüler der KKS waren in der Grundschule im Rahmen eines Projektes, Emscher Kids, zu Besuch. Die Klassenlehrerin hat einen sehr guten Eindruck von der KKS und hat Aykut, auch wegen der Förderung, eher hier gesehen. Da habe ich dann auf die Lehrerin gehört, Aykut hier angemeldet und es auch nicht bereut.

Herr Neckenig: Was hatten Sie erwartet, als Sie ihn bei uns angemeldet haben?

Frau Akkaya: Ich habe Negatives gehört und erwartet, dass es chaotisch ist. - Aber das hat sich überhaupt nicht bestätigt.

Herr Neckenig: Und dann haben Sie trotzdem Ihr Kind bei uns angemeldet?

Frau Akkaya: Ja, weil ich der Lehrerin vertraut habe, weil sie Aykut hier sah, auch wegen der Förderung. Ich fing an, mich näher mit dem System Gesamtschule zu beschäftigen.

Herr Neckenig: Wie haben Sie das gemacht?

Frau Akkaya: Im Internet. Was ist Gesamtschule, welche Wege... und ich besuchte die Veranstaltung, auf der Sie auch waren....

Herr Neckenig: Im Bürgerhaus

Frau Akkaya: Ja genau, was mich überzeugt hat waren die Statistiken, wie viele Kinder mit Hauptschulempfehlung später das Abitur geschafft haben und auch die ganzen Projekte, die die Gesamtschule anbietet, haben mich sehr positiv beeindruckt. Die Möglichkeiten, die die Kinder haben, beeinflussten mich positiv.

Herr Neckenig: Ist das bestätigt worden, seitdem Ihr Kind bei uns ist?

Frau Akkaya: Ja, doch. Es wird viel angeboten, auch in den Mittagspausen, die AG-en und Projekte, es gab ja auch das Lebenswelten-Projekt.

Herr Neckenig: Sind Sie mit Ihrer Entscheidung immer noch zufrieden?

Frau Akkaya: Ja; ich bin so zufrieden, dass ich meinen zweiten Sohn jetzt auch hier angemeldet habe. Wir waren bei dem Tag der offenen Tür mit Arif hier, es hat ihm auch gut gefallen.

Herr Neckenig: Was hat Ihrem Sohn gut gefallen?

Frau Akkaya: Der Kleine fand es hier ganz cool!

Herr Neckenig: War bei den Tagen der offenen Tür etwas, was Sie beeinflusst hat für uns? Im Vergleich?

Frau Akkaya: Man sammelt so viele Eindrücke, die man erstmal für sich filtern muss. Mir hat auch die Realschule gefallen, die hatten alles schön vorbereitet. Mich zog es aber dann doch hierher.

Herr Neckenig: Wenn Sie sagen, Sie sind hier gut angekommen, Ihr Sohn fühlt sich wohl, woran stellen Sie fest, dass Ihr Sohn sich hier wohlfühlt?

Frau Akkaya: Er berichtet zu Hause nichts Negatives, dass er z. B. gemobbt wird oder Probleme mit seinen Mitschülern hat. Das ist hier überhaupt nicht passiert. Aykut ist etwas kräftiger von der Statur, da hatte ich Angst, dass er hier gemobbt wird. Es ist aber nichts passiert, er ist in der Klasse gut aufgenommen und kommt mit seinen Mitschülern und auch den Lehrern gut klar.

Herr Neckenig: Sie haben jetzt Ihren zweiten Sohn hier angemeldet und noch ein Kind aus der Nachbarschaft mitgebracht.

Frau Akkaya: Ja

Herr Neckenig: Wie kam das zustande, dass Ihre Nachbarin ihr Kind hier angemeldet hat?

Frau Akkaya: Durch meine positiven Erzählungen. Arif und das Nachbarkind hatten dieselben Empfehlungen. Haupt-/Gesamtschule mit eingeschränkter Realschulempfehlung. Meine Nachbarin tendierte zuerst zur Realschule. Für mich stand fest, dass Arif die Gesamtschule besuchen würde. Ich erzählte ihr von der guten Förderung und der Möglichkeit der Kinder, sich zu verbessern. Was passiert, wenn die Kinder die Realschule nicht schaffen? Müssen die Kinder sie dann verlassen? Was passiert, wenn dann an der GE kein Platz mehr vorhanden ist? Durch meine positiven Berichte ist sie dann zum Tag der offenen Tür mitgekommen. Ich habe ihr die Schule gezeigt, die ihr gut gefallen hat. Meine Nachbarin hat dann noch mit der Klassenlehrerin von der Grundschule gesprochen, die ihrerseits dann auch die GE empfohlen hat. Ich habe Wochen vorher mit ihr ein Gespräch geführt und über meine guten Erfahrungen mit der GE berichtet und mitgeteilt, dass ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum die KKS einen so schlechten Ruf hat. Die Klassenlehrerin hat meiner Nachbarin gegenüber auch gesagt, dass sich die GE sehr verbessert hat und sie dort sehr gut aufgehoben ist.

Herr Neckenig: Könnten Sie für sich sagen, was das Besondere an unserer Schule ist?

Frau Akkaya: Jedes einzelne Kind wird durch die Lehrer gefördert. Auch kann man das Gespräch mit den KLL suchen und finden.

Herr Neckenig: Ist es für Sie ein Vorteil, dass Sie mit KLL sprechen können, die auch einen Migrationshintergrund haben?

Frau Akkaya: Ich denke, ...die verstehen einiges besser bzw. können einiges besser nachvollziehen im Hinblick auf die Mentalität und Kultur.

Herr Neckenig: Das wir zwei KLL haben, ist also gut für Sie?

Frau Akkaya: Ja, sehr gut. Ich spreche sehr gerne Frau Celik an und Aykut wendet sich eher an Herrn Kuhmann

Herr Neckenig: Bekommen Sie schon mal erstaunte Blicke oder kritische Reaktionen, wenn Sie sagen, ich habe mein Kind an der KKS? Oder ist das kein Thema in Ihrem Familien- und Freundeskreis?

Frau Akkaya: Ich denke eher nicht.... Was ich viel erlebe ist, dass Eltern von ihren Kinder zuviel erwarten, z. B. bei einer Realschulempfehlung das Kind auf einem Gymnasium unterzubringen und es damit total überfordern.

Herr Neckenig: Was ist der Hintergrund, warum die Kinder auf ein Gymnasium gehen sollen? Ist das der Name oder eher das Abitur?

Frau Akkaya: Ich denke eher der Name, ich weiß es nicht, sie erhoffen sich ein höheres Niveau, dadurch bessere Chancen für ihre Kinder im Berufsleben. Ich hoffe, dass es bei Aykut irgendwann zündet und er es schafft. Und wenn nicht, er kann ja alle Abschlüsse machen. Es gibt für ihn ja mehrere Wege, je nachdem welchen Stand er hat.

Herr Neckenig: Ist allgemein bekannt, dass bei uns die unterschiedlichen Abschlüsse möglich sind?

Frau Akkaya: Bei vielen besteht das Vorurteil, dass das Abitur der Gesamtschule weniger wert ist, als das Abitur von einem Gymnasium. Ich höre oft -"Das Abitur der Gesamtschule ist einfacher". Aber die Zentralprüfungen sind ja überall gleich. Da findet ein Fehldenken statt, glaube ich. Ich hatte aber schon Unterhaltungen mit anderen Müttern darüber, dass das Zentralabitur überall gleich ist und man auch mit dem Abitur der GE studieren kann. Meine neue Chefin hat auch die Gesamtschule besucht in Gelsenkirchen, ist jetzt Kardiologin und wird später die Praxis von meinem jetzigen Chef übernehmen. Ich muss sagen, dass ein Wandel schon zu sehen ist. Zwischen der Zeit, wo ich Aykut angemeldet habe und jetzt, sind Veränderungen wahrnehmbar über die GE. Zu Aykut`s Zeit war sie viel negativer als jetzt. Viele sagen: Da ist jetzt ein neuer Schulleiter und seitdem geht's bergauf.

Herr Neckenig: Warum haben wir trotzdem noch keine tollen Anmeldezahlen?

Frau Akkaya: Weil es viele Vorurteile gibt. Einige Eltern haben die Sorge, dass auf der GE viele Hauptschulkinder sind und dadurch das Niveau niedriger ist.

Herr Neckenig: Ist das ein Phänomen, was nur an der KKS existiert oder ist das grundsätzlich an den drei Gesamtschulen in Recklinghausen?

Frau Akkaya: Ich glaube, dass das nur mit Recklinghausen zu tun hat. Ich komme ja aus der Nähe von Aachen, da ist das anders. Dort hat die GE einen ganz anderen Stellenwert.

Herr Neckenig: Wie haben Sie unser Gespräch wahrgenommen?

Frau Akkaya: Ich finde es sehr angenehm, dass man keine Hemmungen haben muss. Man kann direkt auf die Lehrer zugehen und muss keine Distanz halten.

Herr Neckenig: Ich bedanke mich ganz herzlich...